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Geschichte Kroatiens

Touristen zieht vor allem die wunderschöne Adriaküste immer wieder nach Kroatien. Entlang der mehr als 1.700 Küstenkilometer auf dem Festland sowie auf den zahlreichen Inseln (insg. über 6.000 km Küste) präsentiert sich Kroatien als exzellente Destination für einen erholsamen Urlaub in faszinierender Kulisse. In Orten wie Zagreb, Split, Rijeka und Zadar erwarten Reisende zudem zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die von der traditionsreichen Kultur und bewegten Geschichte des Landes zeugen. Für alle historisch Interessierten lohnt es sich, sich intensiv mit der spannenden kroatischen Geschichte auseinanderzusetzen und so mehr über das reizvolle Land an der Adria zu erfahren.

  



Die ersten Siedler im heutigen Kroatien

Funde zeugen davon, dass das heutige Kroatien bereits in der Alt- und Jungsteinzeit bewohnt war. Zudem sind in Krapina einige weltweit bekannte Neandertaler-Fundstellen verortet. Aus der Zeit ab dem 8. Jahrhundert vor Christus existieren detailliertere Informationen zu den ersten Siedlern im heutigen Kroatien. Hierbei handelte es sich um die Illyrer, die während der Antike an der Adriaküste sowie im Hinterland beheimatet waren. Im 6. Jahrhundert vor Christus widmeten sich die Griechen verstärkt dem Schiffsverkehr in der Region. Im weiteren Verlauf breiteten sich die Griechen mehr und mehr aus und gründeten unter anderem auf der heutigen Insel Hvar sowie auf Vis Kolonien. Die Illyrer konnten sich allerdings behaupten und gründeten im 3. Jahrhundert vor Christus einen eigenen Staat unter König Agron.

Bald übernahmen die Römer die Macht an der Adria und unterwarfen die Illyrer im Jahr 168 vor Christus. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten Kroatiens aus dieser Zeit war Diokletian, der in den Jahren 284 bis 305 als Kaiser über das Römische Reich herrschte. Der Diokletianspalast in Split erinnert noch heute an den römischen Kaiser und gehört ohne Frage zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Kroatien aus dieser Zeit. Auch das Amphitheater in Pula, in dem einst Gladiatorenkämpfe vor zahlreichen Zuschauern ausgetragen wurden, zeugt von dem Einfluss der Römer auf die historische Entwicklung von Kroatien.   



Die ersten Kroaten besiedeln das heutige Kroatien

Nach der Teilung des Römischen Reichs und dem Untergang von Westrom standen dem heutigen Kroatien bewegte Zeiten bevor. Zunächst ging das Gebiet an Ostrom, später übernahmen die Ostgoten die Macht. Im Rahmen der Völkerwanderung zogen unter anderem die Goten, Vandalen und weitere Völker durch die Region. 553 ging schließlich auch das ostgotische Reich unter und das heutige Kroatien wurde Teil des byzantinischen Kaiserreichs.

Historischen Berichten zufolge soll der byzantinische Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos selbst die Kroaten im 7. Jahrhundert dazu aufgerufen haben, sich in den einstigen römischen Provinzen Pannonien und Dalmatien anzusiedeln. Sinn und Zweck dieser Umsiedlung sollte es sein, das Land vor den Awaren zu schützen. Bezüglich der Richtigkeit dieser Überlieferungen herrscht in Fachkreisen allerdings Uneinigkeit. Ebenfalls im 7. Jahrhundert soll die Christianisierung der Kroaten stattgefunden haben, die die kroatische Kultur von diesem Zeitpunkt an stark geprägt hat.

Im 8. Jahrhundert brach die Zeit der kroatischen Fürstentümer an, die im Jahr 925 wieder enden sollte. Mit der Krönung von Tomislav entstand das Kroatische Königreich, das von Papst Johannes X. anerkannt wurde. König Tomislav konnte sein Reich gegen die Ungaren verteidigen und auch mit Byzanz eine Einigung erzielen, so dass sein Staat alle heutigen kroatischen Gebiete umfasste, lediglich Istrien war nicht Teil des damaligen Königreichs. Unter der späteren Herrschaft von Petar Kresmir IV. verlor das Kroatische Königreich an Macht und wurde von Ungarn und Venedig vermehrt unter Druck gesetzt. Zunächst konnte Venedig die Oberhand gewinnen und im weiteren Verlauf der Geschichte konnte Ungarn Erbansprüche auf den kroatischen Thron geltend machen.   



Der Staatsverband von Kroatien und Ungarn

Mit Koloman von Ungarn begann im Jahr 1102 der Staatsverband von Kroatien und Ungarn, den der König in Personalunion führte. Die Pacta conventa sicherte dem kroatischen Volk Rechte zu, übertrug dem Ban, einem kroatischen Vertreter, die Verwaltung und sorgte dafür, dass die staatlichen Attribute und Insignien des Königreichs Kroatien weiterhin ihre Gültigkeit behielten. Die Türkenkriege vom 16. bis zum 18. Jahrhundert brachten der Region Krieg und einige Einschränkungen. Bis zum Jahr 1918 hatte die Personalunion mit Union Bestand, obgleich sie zwischenzeitlich immer wieder mehr oder weniger großen Veränderungen unterlag.

Die Kriege mit den Osmanen dominierten viele Jahre das Leben und hatten in dieser Zeit das Königreich Kroatien und Slawonien fest in ihrer Hand. Während das Osmanische Reich von 1451 bis 1699 die Oberhand hatte, dominierten die Habsburger die historische Entwicklung Kroatiens von 1527 bis 1918 in besonderem Maße. Das Jahr 1815 war hier von besonders großer Bedeutung, denn im Zuge der damaligen napoleonischen Kriege fielen auch Dalmatien und Istrien unter österreichische Herrschaft. Von 1867 an gehörten diese beiden Regionen der österreichischen Reichshälfte an, der ungarischen Reichshälfte unterlag dahingegen das Königreich Kroatien und Slawonien.  



Der Erste Weltkrieg in Kroatien

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wuchs der Wunsch nach Selbstbestimmung im heutigen Kroatien. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich sowie der Ungarisch-Kroatische Ausgleich boten allerdings keine Möglichkeiten, diesen Wünschen auf politischer Ebene zu entsprechen. Kulturell vollzog sich allerdings ein Wandel, denn mit dem Illyrismus entstand eine Bewegung, die unter anderem einen Standard für die kroatische Sprache schuf.

Im Zuge des Ersten Weltkriegs kam es 1917 zu einem Wendepunkt in der kroatischen Geschichte. Das sogenannte Südslawische Komitee, dem südslawische Politiker, die aus Österreich-Ungarn emigriert waren, angehörten, traf mit der serbischen Exilregierung eine Vereinbarung, die die Zukunft Kroatiens und des gesamten Balkans veränderte. Denn in der Erklärung von Korfu wurde die Gründung eines gemeinsamen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen vereinbart. Am 29. Oktober des Jahres 1918 lösten sich die südslawischen Länder schließlich von Österreich-Ungarn und gingen in dem gemeinsamen Staat der Slowenen, Kroaten und Serben auf. Geordnete Verhältnisse kehrten bis dahin allerdings noch nicht ein. Um den italienischen Truppen standhalten und der geplanten Annexion Dalmatiens vorwegzugreifen, rief Aleksandar I. Karadordevic als serbischer Thronfolger und Prinzregent am 1. Dezember 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen aus.

Der Anschluss Dalmatiens an Italien konnte verhindert werden und auch das Wahlrecht für Männer wurde eingeführt, wobei dies nichts an der monarchischen Staatsform änderte. Die Kroatische Bauernpartei konnte bei den Wahlen vielerorts gute Ergebnisse erzielen und setzte sich vor allem für ein Selbstbestimmungsrecht der Völker ein. Immer wieder kam es zu Konflikten auf politischer Ebene. Mit der Ermordung von vier Mitgliedern der Kroatischen Bauernpartei durch Punisa Racic (Serbische Radikale Partei) erreichten die Auseinandersetzungen im Juni 1928 einen neuen Höhepunkt. König Aleksandar reagierte kompromisslos, verbot sämtliche Parteien, benannte den Staat in Königreich Jugoslawien um und stand als diktatorischer Herrscher fortan an dessen Spitze. 1934 wurde König Aleksandar I. in Marseille ermordet.   



Der Zweite Weltkrieg und die Zeit danach

Im Zweiten Weltkrieg konnte Jugoslawien dem Überfall Deutschlands im April des Jahres 1941 in keinster Weise standhalten. Während König Petar II. Karadordevic nach Großbritannien floh, erklärte die Regierung die Kapitulation. Die faschistische Ustascha mit Ante Pavelic an der Spitze übernahm daraufhin die Macht und rief am 10. April 1941 den Unabhängigen Staat Kroatien aus. Auf politischer und militärischer Ebene erhielt dieser Unterstützung aus dem Deutschen Reich. Neben jugoslawischen Partisanen wurden vor allem die Serben in Kroatien zu dieser Zeit verfolgt und Opfer massiver Brutalität. Viele Serben und andere Minderheiten verloren ihr Leben in Konzentrationslagern wie dem KZ Jasenovac.

1945 endete der Zweite Weltkrieg und für die Kroaten brach eine neue Zeit an. So wurde Kroatien als Teilrepublik in die Föderative Volksrepublik Jugoslawien integriert. Ab dem Jahr 1963 trug der Staat den Namen Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien und der Sozialismus bestimmte fortan das Leben. Wohlhabende Bürger und Unternehmen wurden enteignet und politische Gegner und einstige Ustascha-Anhänger verfolgt. Josip Broz Tito führte das Land ab 1943 als Ministerpräsident und bis zum 1980 als Staatspräsident. Schon Ende der 1940er-Jahre zeichnete sich ein Bruch zwischen Stalin und Tito ab, wodurch Jugoslawien eine eigene Entwicklung durchmachen konnte. In einigen Punkten sorgten Reformen für Lockerungen, so dass sich der Tourismus an der Adria entwickeln konnte.

Mit den 1990er-Jahren verschwand der Sozialismus mehr und mehr aus Europa und auch im ehemaligen Jugoslawien fand ein politischer und gesellschaftlicher Umbau statt. Im Zuge dessen schlossen sich viele Kroaten Unabhängigkeitsbewegungen an, um einen eigenständigen Staat zu gründen.    



Die unabhängige Republik Kroatien

Bereits im Jahr 1990 fanden die ersten Wahlen in Kroatien statt, die die Kroatische Demokratische Gemeinschaft deutlich für sich entscheiden konnte. Eines der obersten Ziele der Partei war die Unabhängigkeit von Jugoslawien, die die kroatische Regierung unter der Führung von Franjo Tudjman im Juni 1991 erklärte. Bereits im Dezember 1990 wurde die Verfassung der Republik Kroatien öffentlich, die nicht nur die Unabhängigkeit des Landes manifestierte, sondern auch das neue Wappen beschrieb. Die Jugoslawische Volksarmee griff daraufhin an und richtete großen Schaden in Dubrovnik, Split, Zadar und vielen weiteren kroatischen Städten an. Besonders schlimm traf es Vukovar, denn während des Kroatien-Kriegs, der von 1991 bis 1995 dauern sollte, befand sich die Stadt an der Grenze zu Serbien mitten im Hauptkampfgebiet und wurde zu großen Teilen zerstört. Noch heute gilt Vukovar daher als Symbol für die dramatischen Verluste und den immensen Schmerz, die der Unabhängigkeitskrieg in Kroatien hinterlassen hat.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen sorgten mehrere Abkommen 1995 für eine Beendigung des Kroatien-Krieges. Allmählich konnte sich die Republik Kroatien erholen. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell fand gewissermaßen ein Aufschwung statt, wie sich unter anderem anhand der Stammmutter Kroatien, der Matica Hrvatska, zeigt. Der kroatische Kulturverein existiert zwar bereits seit dem Jahr 1842, konnte seine Tätigkeit aber erst dank der Unabhängigkeit 1991 wieder aufnehmen. Heute gilt die Stammmutter Kroatien als eine der bedeutendsten kulturellen Institutionen des Landes.

Kroatien hat die Zeiten des Krieges hinter sich gelassen, ist unabhängig und zudem seit 2013 Mitglied der Europäischen Union. Vor dem Land an der Adria scheint demnach eine strahlende Zukunft zu liegen, doch die Schrecken der Vergangenheit kann dies nicht vergessen machen. Die historische Entwicklung Kroatiens und die Tatsache, dass hier viele Kulturen aufeinandertreffen, bergen nach wie vor ein gewisses Konfliktpotential. Die kroatische Gesellschaft für Viktimologie befasst sich seit dem Jahr 1991 mit der Erforschung und Betreuung von Opfern von Straftaten, Benachteiligungen und Missbrauch. Kinder, Frauen, ältere Menschen, Minderheiten und andere Opfergruppen werden von der kroatischen Gesellschaft von Viktimologie betreut. Oberste Priorität hat für die gemeinnützige Organisation eine gesunde und ausgewogene Gesellschaft.     



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