Tourismus-Boom lässt Kroatien nach schnellen Investitionen rufenVon Carsten Hoffmann, dpa Zagreb (dpa) - Kroatien will sich einen Spitzenplatz in der europäischen Tourismusbranche zurückerobern. Mit dem Slogan "Symbol mediterraner Schönheit" wirbt das Adrialand um Gäste und steht dieses Jahr wohl erstmals wieder vor einem Boom. "Unser Hauptproblem ist derzeit ein Mangel an Unterkünften, vor allem in den Hotels entlang der Küste, wo uns 40 000 Betten fehlen", sagt Niko Bulic, Direktor des kroatischen Tourismusverbandes in Zagreb. Sein Land gilt wieder als ein Trendziel für den Sommerurlaub in Europa. Der Tourismus in dem Balkan-Staat, der mit dem Krieg einen weitgehenden Zusammenbruch erlebte, hat schon in den vergangenen Jahren kräftigen Zuwachs verzeichnet. Im Jahr 2000 wurde ein Plus von 23 Prozent verbucht, 2001 waren es mit 43,3 Millionen Übernachtungen oder 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr könnte der Fremdenverkehr in Kroatien 4,5 Milliarden Euro erwirtschaften, hoffen Tourismusexperten in Zagreb. Die Branche ist eine Hauptquelle für Devisen. Dazu hat das Land eine Werbeoffensive auf Tourismusmessen gestartet. 1700 Kilometer Küstenlinie und hunderte Inseln können Ausländer locken. Von Deutschland aus sind viele Ziele leicht an einem Tag mit dem Auto zu erreichen, die Flugzeit beträgt nur eine gute Stunden. Auch große Tourismusveranstalter führen das Adrialand wieder in ihren Angeboten. Vor dem Krieg zog es Millionen Deutsche in die Hotels und auf die Campingplätze in den Landesteilen Istrien und Dalmatien. Doch bisher konnten die Investitionen in die touristische Infrastruktur nicht mit der wachsenden Zahl der Gäste Schritt halten. Die Zahl der Beherbergungsbetriebe sei etwa ein Drittel niedriger als vor dem Krieg, erklärt Tourismusministerin Pave Zupan Ruskovic. Private Investoren sollen die veralteten Unterkünfte renovieren, die vor dem Krieg kräftige Gewinne abgeworfen haben. Auch Staatspräsident Stipe Mesic wirbt bei Auslandsreisen wie in Baden-Württemberg um Geldgeber, die vor allem in der Tourismusbranche gute Voraussetzungen fänden. Weitreichende Plänen sehen vor, auf die nordadriatischen Brijuni-Inseln Anlagen für einen Luxustourismus aufzubauen. Die vor der Küste Istriens gelegenen Inselgruppe war das Erholungsparadies von Josip Broz Tito, dem Gründer des kommunistischen Jugoslawien. Für den Staatschef waren sogar exotische Tiere auf die Hauptinseln gebracht worden. Doch vielerorts im Kroatien fehlt es auch noch an dem Begleitprogramm, das in den an anderen Reisezielen für Kurzweil und Bewegung sorgt. Die Tourismuszentrale in Zagreb hält Verbesserungen vor allem bei Sportangeboten und im Naturtourismus für nötig. Tourismusdirektor Bulic peilt dann ein Wachstum von etwa einem Drittel an. Er sagt: "Wir wollen jedes Jahr zehn Millionen Gäste." dpa/ecoline vom 25.03.2002 08:14 |